BORDGESCHICHTEN

bordgeschichtenVielfalt, Toleranz, Weltoffenheit – Schlagwörter, die den aktuellen öffentlichen Diskurs dominieren. Diese drei Worte sind das Gerüst für den Inhalt von 25 Bänden BORDGESCHICHTEN, herausgegeben vom DSR-Seeleute e.V., die zwischen 2001 und 2026 erschienen sind.

 Vielfalt – Nahezu 450 Autoren vom Öler bis zum Kapitän garantieren in rund 950 Beiträgen  auf 4000 Seiten die nicht weniger gleich große Mannigfaltigkeit an Themen. Diese reichen von Havarien aller Art und Schiffsverlusten über Konflikte mit Zoll und anderen Behörden im In- und Ausland, bis zu Krankheiten und Unfällen, Knast- und Kriegserfahrungen oder Trinkgewohnheiten mit Hafenbräu und Weinblattsiegel und vielen anderen Alleinstellungsmerkmalen. Die Akzeptanz von Vielfältigkeit im menschlichen Beisammensein ließ sich in einem Bordkollektiv hervorragend trainieren, um trotz unterschiedlichen Meinungen und Ansichten auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Solch ein Übereinkommen erlaubte es der Besatzung in friedlicher Eintracht, das Schiff sicher an Klippen vorbeizusteuern, so wie dies auch für jede große Menschengruppe in der Vergangenheit zutraf. Für jeden galt: Eine Hand für das Schiff und eine für den Mann. Vielfalt auch, weil in den Texten neben den 300 Schiffen der DSR rund 450 andere schwimmende Einheiten vieler Länder Erwähnung fanden.

 Weltoffenheit - Ein BORDGESCHICHTEN-Autor der ersten Stunde hat während seiner 30 Jahre währenden aktiven Seefahrtszeit mit seinen Schiffen 184 Häfen in 75 Ländern angelaufen, so wie manch andere DSR-Seefahrer auch. Selbst im kleinsten Hafen fühlten er als Exot was Hautfarbe oder Habitus betraf und die „sortenreinen“ Einheimischen sich gegenseitig wohl gelitten. Niemand sonst musste per Beruf in Vergangenheit und Gegenwart aufgeschlossener sein gegenüber anderen Kulturen als Seefahrer. Eine solche Profession ließ sich nur auf diese Weise ausüben. Seeleute aus Rostock waren keine Kleingeister mit begrenztem Horizont, weit weg vom weltfremden Wunschdenken, sondern sie bewahrten sich einen Blick für die Realitäten und sind dadurch nirgends „angeeckt“.

 Toleranz – Andere Länder, andere Sitten. Das lernten alle Seefahrer recht schnell, nicht nur jene von der BOUNTY. Auch die, welche in fremden Hafenvierteln auf freundliche Offerten eingingen, unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Sprache, und später in der Klinik nicht über die Folgen klagen mochten. (lat. tolerantia – geduldiges Ertragen von Leiden und Schmerzen) Mit Begeisterung ließen sie sich auch beim kleinen Tauschhandel orientalischen Gepflogenheiten folgenden über den Tisch ziehen. Und Kapitäne, welche die Taschen der Behörden mit Zigarettenstangen und Whisky vollpackten, oder Matrosen, die in der Luke Kothaufen in Eimer schippten, stellten das Paradebeispiel für Duldsamkeit und Nachsicht dar.

 Vielfalt, Toleranz, Weltoffenheit? Was Politiker wie eine Monstranz oft heuchlerisch vor sich hertragen, danach lebten DSR-Seeleute schon vor Jahrzehnten. Alle BORDGESCHICHTEN kamen sauber und wahrheitsliebend daher, nicht selbstverständlich von Gedrucktem in Vergangenheit in Gegenwart. Damals wie heute dominiert Ideologie statt Vielfalt. Toleranz ging auch früher nur bis zu einem angeblichen Angriff auf das System. Weltoffenheit, einstmals Völkerfreundschaft, galt schon immer nur solange wie sie nicht das eigene Weltbild in Frage stellte. Andere Zeiten, gleiche Sitten.

Die BORDGESCHICHTEN aber, ein ehrliches Ergebnis künstlerischen Schaffens von Männern und Frauen, die auch noch nach Jahrzehnten ihre besondere Arbeit, ihr Zusammenleben an Bord und daraus resultierend ihren Zusammenhalt wertschätzen.

 

Redakteure der BORDGESCHICHTEN,   in alphab. Reihenfolge:

  •  Wolfgang Jacob /Freiberg (verst.),

  • Kurt-Werner-Langer /Güstrow,

  • Heike Metz /Dresden,

  • Friedrich Seibicke / Altenburg

  • Lothar Vogel / Falkenau