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Seit mehr als 35 Jahren ist nun auch im Osten der Republik
vielen Menschen die ehrenamtliche Mitarbeit oder
Mitgliedschaft in gemeinnützigen Vereinen eine Herzenssache.
Mitten unter den vielen mit unterschiedlichsten Interessen
befindet sich der DSR-Seeleute e.V. mit Sitz in Freiberg,
dessen Wurzeln auf die DEUTSCHE SEEREEDEREI (DSR) in Rostock
zurückgehen, ein ehemaliger volkseigener Betrieb. Vor diesem
Hintergrund gehört dieser Verein zu den Außergewöhnlichsten
unter den Außergewöhnlichen. Von einem Club der
Eisenhüttenstädter Stahlwerker oder vom Verein der Zwickauer
Trabibauer ist eher nicht die Rede.
Nach dem Ende der sozialistischen Produktionsweise und dem
damit verbundenen Niedergang des Rostocker
Schifffahrtsunternehmens gründeten sich eine Anzahl
maritimer Traditionsvereine, darunter der DSR-Seeleute e.V.,
der vor mehr als 25 Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Aber
warum ein seemännischer Traditionsverein mitten im
Erzgebirge? Weil es die „seefahrende Nation der Sachsen“
tatsächlich gab! Ein Großteil der Besatzungsmitglieder auf
den einst mehr als 200 Schiffen der DSR stammte aus
Mitteldeutschland. Über alle landsmannschaftlichen Grenzen
hinweg finden sich allerdings über alle der Vereinsgründung
folgenden Jahre hunderte Seeleute von Rostock bis München zu
den traditionellen jährlichen DSR-Seeleutetreffen im
Sächsischen ein.
Alles begann am 24. März 1995 in einer kleinen Freiberger
Gaststätte, als sich einige ehemalige Seeleute der einst
größten Universalreederei Deutschland zu einem zwanglosen
Beisammensein trafen. Damals ahnte keiner der Beteiligten,
welches Ausmaß die Treffen in den späteren Jahren einmal
annehmen würden. Seinerzeit saß diese kleine Gruppe
beisammen, um zu klönen und Erinnerungen auszutauschen.
Schon ein Jahr später kamen die Besucher nicht mehr nur aus
Sachsen, sondern bereits aus ganz Deutschland. Die Gründer
und Organisatoren nannten sich fortan „Schiffsrat“,
ursprünglich eine vom Kapitän einberufene Versammlung der
Schiffsoffiziere zur Abgabe eines Gutachtens in einer
Gefahrensituation und auf DSR-Schiffen ein Instrument der
„gesellschaftlichen Arbeit“. Dieser Rat organisierte fortan
in regelmäßigen Abständen in jener Freiberger Gaststätte
derartige Treffen.
Die offizielle Vereinsgründung des DSR-Seeleute e.V.
erfolgte am 17. Oktober 1998. Aus der kleinen geselligen
Runde im Vereinslokal MS MAYLEIN wurde bald eine maritime
Veranstaltung, die nicht mehr nur ein „gemütliches
Beisammensein“ darstellte, sondern sich auch in ihren
Inhalten den maritimen Traditionen in Gegenwart und Zukunft
verpflichtet fühlte. Die ständig steigende Teilnehmerzahl
erforderte bald ein größeres Veranstaltungsobjekt. Die
(anfänglich) drei Veranstaltungen im Jahr bekamen ein
thematisches Konzept und die Organisatoren konnten neben
einer immer weiter steigenden Besucherzahl auch zahlreiche
Prominente zu Fachvorträgen, Diskussionsforen und maritimen
Schwerpunktthemen begrüßen.
Darunter befanden sich als
Gäste Eva Stein, die Drehbuchautorin der Fernsehserie „Zur
See“, der Schauspieler Günter Schubert aus jener Serie,
Jutta Raabe, die Journalistin und Produzentin des Kinofilmes
„Estonia“, der damalige Leiter des Organisationsbüros der
Hanse Sail und spätere Oberbürgermeister der Hansestadt
Rostock, Roland Methling, der ehemalige Hauptgeschäftsführer
der DSR GmbH, Harry Wenzel, der Expeditionsleiter des
ABORA-Projektes, Dominique Görlitz, sowie zahlreiche andere
bekannte Künstler und Filmemacher und Repräsentanten von
verschiedenen Reedereien. Einige zählen als Ehrenmitglieder
nun schon über Jahre zu den aktiven Unterstützern unseres
Vereines.
In der Vergangenheit konnten wir mit der Deutschen
Seereederei GmbH und der Reederei F. Laeisz Fördermitglieder
in unsere Reihen aufnehmen, die wesentlich das
wirtschaftliche Bild Mecklenburg-Vorpommern prägen. Darauf
sind wir genau so stolz wie auf nunmehr ca. 200 eingetragene
Mitglieder - bis hin ins ferne Florida.
Längst platzt auch unser neues Vereinsdomizil fast aus allen
Nähten. Bis zu 500 Schaulustige und Vereinsmitglieder
besuchen die jährlich stattfindenden Veranstaltungen in
Reinsberg bei Freiberg. Dieser kleine idyllische Ort wurde
durch uns zum Treffpunkt für alle Seefahrtsinteressierten,
für ehemalige und noch aktive Seeleute, für
Schiffshistoriker, Künstler und zahlreiche maritime Vereine
- im Juni 2025 nun bereits schon zum 58. Male!
Eine moderne Mehrzweckhalle, anspruchsvolle Gastronomie zu
moderaten Preisen, und ein vom Vereinsvorstand aufwändig
organisiertes und abwechslungsreiches Programm bieten den
Teilnehmern sowohl interessante Unterhaltung als auch
ausreichende Gelegenheit für einen „Klönsnack“ bei einem der
größten maritimen Treffen in Deutschland.
Unsere Vereinsarbeit beschränkt sich dabei nicht mehr nur
auf die Ausrichtung dieser Veranstaltungen, sondern fand
eine Erweiterung durch Forschungs- und Publikationsarbeiten
zu zahlreichen Themen der DSR-Geschichte und anderer
maritimer Ereignisse, durch die Unterstützung des
ABORA-Projektes von Dominique Görlitz oder die maritime
Ausgestaltung der Umgebung des Objektes in Reinsberg. Die
aktive Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen maritimen
Vereinen, wie dem Verein Seeleute Rostock e.V. (ehemals
Typ-IV-Fahrensleute e.V.) oder der Gesellschaft zur Rettung
Schiffbrüchiger (DGzRS) zählen zu den Aufgabenschwerpunkten
einer vielseitigen und verantwortungsvollen Vereinsarbeit.
Wer schon einmal die HANSE SAIL in Rostock, eines der
größten maritimen Veranstaltungen in Deutschland besucht
hat, dem wird vielleicht die markante blau-rot-blaue Flagge
der ehemaligen DSR und das Vereinslogo des DSR- Seeleute
e.V. aufgefallen sein, unter denen unser Verein mit einem
Informationsstand auftritt.
Das Leben und Wirken aller Angehörigen der
Seeverkehrswirtschaft ist bisher in rund 150 Büchern,
Broschüren und in anderen Publikationen geschildert worden.
Allein in den bisher erschienenen 25 Bänden BORDGESCHICHTEN
des DSR-Seeleute e.V. haben insgesamt nahezu 450 Autoren in
Büchern zu je 160 Seiten auf 4000 Druckseiten in 950
Beiträgen ihre Erinnerungen aufgeschrieben. Kapitäne,
Ingenieure, Funkoffiziere, Schiffsärzte und Zahlmeister,
Bootsleute, Zimmermänner und Storekeeper, Stewards, Köche,
Matrosen, Maschinenassistenten, Heizer, Trimmer und
Decksmänner, alle auch mit weiblichem Geschlecht – sie alle
griffen zur Feder und schrieben je nach Temperament und
Erlebnisbereich ihre Erinnerungen auf. Sachlich und
humorvoll, erinnerungsreich oder schwermütig, fröhlich oder
wehmutsvoll, nicht heldenhaft aber realistisch, so wie sie
das Leben und die Arbeit kennengelernt haben und wie sie
sich daran erinnern.
Aus diesem Grunde stellt die Publikation der BORDGESCHICHTEN
einen jährlichen Höhepunkt in unserer Vereinsarbeit dar. Die
limitierte Auflage von 1200 Exemplaren wurde jeweils zum
Sommertreffen des DSR-Seeleute e.V. und zur jährlichen Hanse
Sail verkauft sowie in unserem Internetshop vertrieben. Die
vom Fernsehen her bekannte Drehbuchautorin Eva Stein
bezeichnete einmal diese Buchreihe als „eine literarische
Fortsetzung der Fernsehserie ,Zur See' “.
Natürlich sind wir im Internet präsent. Über
eine Million „Klicks“
zeugen von der Qualität und Aktualität unseres
Vereinsschaufensters www.seeleute.de.
Unser Ziel ist es, einen Beitrag zur Belebung und
Erhaltung maritimer Traditionen zu leisten, auch weil es vor
allem die Sachsen gewesen sind, die in den vierzig Jahren
zwischen 1952 und 1992, dem Bestehen des Unternehmens DSR,
auf den Weltmeeren seemännisches Handwerk und maritime
Traditionen gepflegt haben.
27 Jahre aktive Vereinsarbeit sind ein Grund, stolz zu sein.
gez. Vorstand DSR Seeleute e.V.
Juni 2026
Zum 31.12.2026 ist unser Verein liquidiert.
Wir haben stets versucht die Tradition der DEUTSCHEN
SEEREEDEREI ROSTOCK
DSR-Seeleute e.V. -Schiffsrat: Beisitzer und
Vereinsausschuss:
Stefan Thiem, Kurt-Werner Langer, Heike Metz, Cornelia
Swientek, Hartmut Weinhold, Hans-Joachim Martin, Hubert
Müller, Tamy Spruth, Ralph Krumbiegel |